Von Roter Sternrenette und Goldparmäne – ein Besuch auf der Streuobstwiese Nettetal

Von Ludgera

Jonagold, Cox Orange oder Boskop kennt wohl jeder. Aber Geflammter Kardinal, Goldparmäne oder rote Sternrenette? Diese Apfelsorten waren uns zumindest noch kein Begriff, als wir in kleiner Gruppe Ende Juni die Streuobstwiese im Nettetal besuchen konnten. Seit Beginn der Saison 2021/22 kooperiert die Solawi Düsseldorf für einen optionalen Obstanteil mit Philipp, der mit großer Leidenschaft und viel Wissen dort die Obstbäume pflegt. Schon seine Großeltern haben auf dem Hof Bäume gepflanzt, und der älteste Apfelbaum zählt rund 100 Jahre.

Dabei, so erklärt er uns gleich zu Beginn, ist die Ernte (rund 80 t Obst im Jahr) für ihn eigentlich eher ein Nebeneffekt. Wichtig ist ihm die Streuobstwiese vor allem für den Naturschutz und den Artenerhalt – und damit meint er nicht nur seltene Obstsorten. Denn seine Wiesen sind so gestaltet, dass dort auch Wildtiere Platz finden. Aus dem Totholz, dass beim Baumschnitt anfällt, hat er eine Wildhecke angelegt und teilweise auch große Holzhaufen aufgeschichtet, die – von Brennnesseln und anderen sogenannten Unkräutern dicht über- und verwachsen – etwa Igeln oder Hasen Schutz bieten können. Und in den vielen Nistkästen, die in den Obstbäumen zu finden sind, können sich Waldkäuze einrichten. Auch alte Obstbäume werden nicht gefällt, sondern dürfen kontrolliert absterben. Entstehende Hohlräume in Stamm und Ästen dienen so weiteren Vögeln als Nistplätze.

Zudem versteht Philipp die Obstwiese als Kreislaufwirtschaft: Der Obstbaumschnitt wird zu Totholzhecken oder Feuerholz, das Gras auf der Wiese wird zu Heu für Pferde, Esel und Kuh Helga, die wiederum selbst auch beim Grasen zum Schnitt der Wiesen und der Baumzweige beitragen. So erfüllt hier einiges gleich mehrere Zwecke. Die Totholzhecken bieten nicht nur Tieren Schutz, sondern leiten auch Wind über die Kronen der Bäume ab, bieten Schatten und sorgen bei hohen Temperaturen für etwas Abkühlung.

Bei der Führung über die Wiesen, die sich rund um den Hof befinden, haben wir aber auch eine Menge über den Obstanbau und -sorten lernen können. Philipp bewirtschaftet auf den eigenen Flächen 150 Bäume, insgesamt betreut er aber rund 800, die auf Flächen der Stadt stehen, mit der er kooperiert. Als wir zu Besuch waren, stand noch keine Ernte an, aber der sogenannte Junischnitt. Damit genug Licht in die Bäume fällt, werden alle dort quer wachsenden Äste entfernt. Im Juni werfen außerdem Apfel- und Birnbäume manchmal Teile ihres Obstes ab. Der sogenannte Junifall passiert unter anderem, wenn der Baum nicht alle Früchte gut versorgen kann.

Neben vielen Apfelbäumen gibt es auf dem Gelände unter anderem auch Kirsch-, Birnen-, Quitten- und Walnussbäume. Eine Besonderheit verbirgt sich am Ende der Streuobstwiese. Dort steht eine noch ganz junge Walnuss, die zur Sorte „Lange van Lod“ gehört. Die Früchte dieser Züchtung werden mit bis zu 8 cm doppelt so groß wie eine normale Walnuss.

Wir freuen uns über die neue Kooperation und das leckere Obst. Bisher kamen wir bereits in den Genuss von Äpfeln, Zwetschgen und Mirabellen und sind gespannt, was noch folgt.